Für die Beurteilung der Rechtmässigkeit ist es vorab wichtig zu wissen, dass das kantonale Schulrecht als solches von zwei Faktoren wesentlich beeinflusst ist: Zum einen befindet ihr Schülerinnen und Schüler euch in einem sog. Sonderstatusverhältnis, d.h. ihr steht in einer besonderen Beziehung zur Schule, indem ihr verpflichtet seid, die Anordnungen der Schulbehörde (= der Schulleitung) zu befolgen und das Interesse am geordneten Schulbetrieb dazu führen kann, dass ihr gegebenenfalls in euren persönlichen Interessen eingeschränkt werden könnt. Gleichzeitig bedeutet das, dass die Schulleitung über grosses Ermessen, d.h. einen grossen Entscheidungsspielraum, verfügt, wie sie konkret den Schulbetrieb gestalten will (auch in Zeiten von Corona). Deshalb ist es allgemein schwierig, sich gegen Handlungen der Schulbehörde zu wehren. Aber wie überall muss man trotzdem genau schauen, ob nicht ein qualifizierter rechtlicher Fehler vorliegt.

Zulässigkeit der Durchführung so vieler Prüfungen in so kurzer Zeit unter den vorliegenden Umständen:

  • Die fehlende Rücksichtnahme (weil die reguläre Zahl Prüfungen gemäss Reglement in jedem Fall trotz Corona-Krise eingehalten werden sollen) ist rechtlich als Verhältnismässigkeitsproblem einzustufen. Rechtlich übersetzt wird damit die unverhältnismässige Anwendung des Reglements auf die vorliegende Situation geltend gemacht. Es könnte nämlich vertreten werden, dass die Durchführung der Prüfungen in diesem Umfang und in dieser Zeit für die Schülerinnen und Schüler unzumutbar ist.
  • Die Unzumutbarkeit kann sich daraus ergeben, dass das Reglement vorsieht, dass die Prüfungen im Semester verteilt sein sollten und nicht innerhalb von zwei Wochen durchzuführen sind.
  • Aber auch hierbei muss betont werden, dass Reglemente in der Regel Ermessen einräumen, indem sie offen lassen, wie die Prüfungen im Semester aufgeteilt werden. Das heisst, die Schule hat hier Entscheidungsspielraum.
  • Meistens wird denn auch nicht eine «starre» Anwendung des Reglements durchgezogen, sondern die Lehrpersonen werden angehalten, den Prüfungsstoff mit Augenmass auszuwählen und nicht den gesamten Stoff durchzuprüfen.

Entsprechend kann aus rechtlicher Perspektive wohl nicht mehr überzeugend argumentiert werden, dass keine Rücksichtnahme der Schulleitung erfolgt ist, was es leider fast unmöglich macht, zu beweisen, dass die Situation für euch unzumutbar ist (auch wenn sie aus eurer Sicht mit Blick auf den Lernaufwand sich durchaus so anfühlen kann). Die Durchführung ist also zulässig. Selbstverständlich gilt es, die Umstände des jeweiligen Einzelfalles zu berücksichtigen.

Rechtsgrundlagen: Art. 5 Abs. 2 BV; Allgemeines Verwaltungsrecht

Weiterführende Hinweise: Zum Schulrecht im Kanton Zürich: Jaag Tobias/Rüssli Markus, Staats- und Verwaltungsrecht des Kantons Zürich, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, S. 371 ff.; Verhältnismässigkeitsprinzip

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